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Träume verwirklichen, Ziele erreichen: «Sport ist die beste Lebensschule»

von Stefan Kobel / ehem. Beachvolleyball-Profi und Olympia-Medaillengewinner


Träume verwirklichen, Ziele erreichen: «Sport ist die beste Lebensschule»
Dieses von Sportlern und Sportfunktionären häufig verwendete Schlagwort klingt im ersten Moment sehr einfach und klar. Was genau aber ist mit dieser Aussage gemeint?

Eigene Träume verwirklichen und seine Ziele erreichen, das möchte doch jeder auf irgendeine Art und Weise. Das ist in unseren Genen verankert. Wie aber findet man den Weg zum Ziel? Falls der Zusammenhang zwischen Sport und Lebensschule stimmt, müsste ein ehemaliger Spitzensportler wie ich es bin und dessen Sportkarriere bereits mit 7 Jahren in der Jugendriege begonnen hat, optimal auf das Leben in der grossen Welt vorbereitet sein.

Der folgende Text zeigt auf, wie aus meinem Traum, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ein konkretes Ziel wurde und wie ich das Ziel erreicht und den Olympia-Traum gelebt habe.

Wem es gelingt, den Transfer von der Lebensschule Sport ins eigene Privat- und Geschäftsleben zu vollziehen, der hat das richtige Rüstzeug, um auch seine Träume in anderen Lebensbereichen erfolgreich zu gestalten. Davon bin ich überzeugt, und ich hoffe, dass es Ihnen, liebe Lesende gelingt, hilfreiche Anregungen für die Verwirklichung Ihrer eigenen Träume aus dem Newsletter zu ziehen.

Der Traum
Der Kindertraum, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen, entstand zu Hause vor dem Fernseher. Mit glänzenden Augen bewunderte ich als Kind die muskelbepackten Athleten, die in riesigen Stadien vor jubelnden Fans ihre Wettkämpfe bestritten und stolz auf dem Podest ihre Medaillen entgegen nahmen. Einmal so zu sein wie diese Stars. Im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Davon handelten meine Kinderträume in dieser Zeit.

Wieso nicht ich?
Die Freude am Sport und der Bewegung hat sich bei mir längstens nicht auf Fernsehsport beschränkt. Als sehr bewegungsfreudiges Kind durfte ich mit 7 Jahren meine Sportkarriere in der Jugendriege starten. Bis ich 18 Jahre alt war, spielte ich auch intensiv Fussball und Handball, bevor dann eine steile Karriere im Volleyball begann. Mit 20 stand ich bereits als Stammspieler in einer NLA Volleyballmannschaft und war mit meinem Beachpartner Patrick Heuscher die Nr. 10 im Schweizer Beachvolleyball Ranking. Im Jahr 1998 ist dann das Thema Olympische Spiele erstmals durch ein Verbandsprojekt aufgetaucht. Ich wurde von Swiss Volley (Schweizerischer Volleyballverband) ins Nachwuchskader selektioniert mit Projektziel Athen 2004. Für mich persönlich war anfänglich das Projektziel nur ein Schlagwort. Klick gemacht hat es erst ein Jahr später, 1999, ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Sydney, als ich zusammen mit Patrick Heuscher erstmals Siege gegen Teams feiern durfte, die bereits für Olympia 2000 qualifiziert waren. Die Frage „warum nicht auch wir?“, war damit klar mit einem „das können wir auch!“ beantwortet.

Das Ziel
Ein hohes, aber auch realistisches Ziel war in diesem Moment geboren. Der Kindertraum von den Olympischen Spielen hat mit dem Olympischen Beachturnier in Athen ein ganz klares Gesicht bekommen. In das Beach-Stadion von Athen wollte ich einlaufen. Ich hatte damals einen Kleber an der Innenseite meiner Haustüre, worauf stand: Ziel Athen 2004. Und eine kleine griechische Säule stand auf meinem Schreibtisch. Immer wenn ich die Wohnung verliess, erinnerte mich der Kleber, warum ich ins Training ging. Für mich war klar: Das will ich um jeden Preis, falls es mein Potential und meine Gesundheit wirklich erlaubt. Ich ordnete dem Ziel alles unter: Luxus, Freunde, Ausgang, Familie, und sogar die Beziehung zu meiner Freundin. Alle haben es gespürt und man hat sich arrangiert, geholfen und unterstützt.

„Das Ziel ist wie die Zugschnur beim Wasserski: lässt man sie los, so geht man unter!“

Die Strategie
Ab der Saison 2000 hatten wir in unserem Team eine klare Strategie, wie der Weg nach Athen aussehen sollte. 2001: Top 24 in der Weltrangliste und Teilnahme an den Turnieren der FIVB Worldtour mit direkter Qualifikation. 2002: etablieren in den Top 10. 2003: Podestplätze auf der Worldtour. 2004: Qualifikation für Athen 2004 und Top-Resultat am Olympischen Turnier (mindestens Diplom-Rang).

Wir setzten uns von Jahr zu Jahr vernünftige, aber hohe Saisonziele. Es war uns klar, dass man nicht von heute auf morgen ein Champion wird, sondern ein gesunder, linearer Aufstieg zum Endziel führen muss. Klar gab es auch Abweichungen, aber die Ausschläge hielten sich stets in einer akzeptablen Bandbreite.

Die wichtigsten Bausteine zur Zielerreichung
Den richtigen Partner zu finden ist nach meiner Einschätzung in jedem Projekt entscheidend. Patrick Heuscher hat mich sportlich auf dem Spielfeld ideal ergänzt und unser ausgewählter Team-Trainer Patrick Egger hat das Schiff in allen Stürmen auf Kurs gehalten. Weitere wichtige Bausteine waren die regelmässigen Standortbestimmungen mit welchen wir immer wieder den aktuellen Leistungszustand bestimmten und uns mit den besten Teams der Welt verglichen. Was können die Besten? Die Differenz zu diesen Teams stetig zu verkleinern war meine Motivation fürs tägliche Training.

Saisonplanung, Turnierplan, Wochentrainingsplan mit Balltraining, Krafttraining, Athletiktraining, Regeneration usw. waren die Schwerpunkte in der Planung. Geeignete Trainingspartner (nur die Besten sind gut genug), gute Trainingsbedingungen, intakte Infrastruktur und tadelloses Trainingsmaterial waren uns wichtig. Ebenso die ärztliche Versorgung und eine positive Zusammenarbeit mit den involvierten Sportverbänden und Partnern. Zum Schluss mussten auch die Finanzen, alle Sponsoren und die Medien organisiert und gepflegt werden.
Das Wichtigste bei all diesen Puzzleteilen ist eine ideale Gewichtung der Prioritäten. Unsere Devise war, nicht alles neu zu erfinden, sondern bei den Besten abzuschauen und es sinnvoll ins eigene Team zu transferieren um Zeit und Arbeit zu sparen.

„Ein Champion fragt sich nicht, ob er das Problem lösen kann, sondern wie er es lösen kann!“

Täglich hart arbeiten
„Wenn du in jedem Training dein Bestes gibst, dann ist jedes Training wie der Tag X an der Olympiade, also bist du optimal vorbereitet!“

Ich glaube, ich habe schon bald begriffen, dass Talent nur hilft, schneller voran zu kommen, nicht aber den Trainingsumfang reduziert. Und wenn ich selber immer alles gebe, so darf ich auch von meinen Mitspielern und den anderen Partnern immer vollen Einsatz erwarten. Private Probleme gehörten für mich nie ins Training. Schmerzen habe ich immer ernst genommen und möglichst schnell nach Lösungen gesucht, um sie in den Griff zu bekommen. Auch Ausreden wie „müde“, „schlecht geschlafen“ oder „zuviel gegessen“ versuchte ich stets auszuklammern. Mit der Motivation hatte ich eigentlich nie Probleme, weil ich mich so sehr mit dem Ziel identifiziert habe. Sie fragen sich jetzt vielleicht, wo bleibt denn der Spass dabei? Jede gelungene Aktion im Training hat mir Spass gemacht und das habe ich auch gezeigt. Auch die Siege und die vielen guten Leistungen an den Turnieren haben den manchmal etwas eintönigen Trainingsalltag immer wieder versüsst.
Willenskraft, um sich immer wieder durchzubeissen und nach Niederlagen wieder aufzustehen, gehört zum Sportlerleben natürlich auch dazu. Geduld und Vertrauen in das Training und die Trainingspläne ebenfalls. Ich musste immer wieder Verantwortung übernehmen, Entscheide fällen und für meine gezeigte Leistung gerade stehen.

„Nicht der Erfolg macht uns stark, sondern die Reaktion auf Misserfolg!“

Performance am Tag X
Und plötzlich ist er da, der Moment auf den man so lange und hart hingearbeitet hat.
Der Event, auf den die ganze Welt schaut: das Olympische Turnier.

Ich ging mit der Einstellung nach Athen, dass ich dort die Belohnung für die harte Arbeit in den vergangenen Jahren abholen durfte. Ich wollte jede Sekunde im Sand geniessen und zeigen, was ich kann.
Wer mich schlagen wollte musste mir zeigen, dass er besser gearbeitet hat als ich. Ich liess mich durch nichts ablenken. Weder vom eigenen Team-Partner, noch von der enormen Hitze oder dem gesamten Umfeld um unser Team herum. Es gelang mir sehr gut, nur positive Energien fliessen zu lassen.

Unser Trainer gab uns auch ein sehr treffendes Bild mit auf den Weg:
„Stellt euch vor, Ihr wart in den letzten vier Jahren unterwegs auf den höchsten Berg der Welt. Jetzt fehlen noch 100 m bis zum Gipfel. Die letzten 100 m bis zum Gipfel!“ Das war für mich das perfekte Sinnbild. Für mich war klar, dass mich auf diesen letzten 100 m nichts mehr aufhalten konnte. Gar nichts! Ich wollte nur noch mit Vollgas und aller Power auf den Gipfel. Wie hoch der Gipfel für mich werden würde, konnten nur noch meine Gegner auf dem Spielfeld beeinflussen und auf die habe ich mich 4 Jahre bestens vorbereitet.

Mein Gipfel war zwei Stufen unter dem höchsten Punkt der Sportwelt zu Ende. Ich denke, ich habe am Olympischen Turnier in Athen mein Leistungspotential weitgehend ausgeschöpft, meinen Traum gelebt, nicht nur in den drei Wochen in Athen, sondern auf dem ganzen Weg bis zu den Spielen. Dass sogar eine Bronze-Medaille dabei herausgeschaut hat, war natürlich das absolute Sahnehäubchen oben drauf.

Der Hunger nach neuen Träumen und Zielen ist geblieben. Nicht mehr im Sport, dafür im Berufs- und Privatleben.

Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg bei den eigenen Träumen und Zielen.

Stefan Kobel




Stefan Kobel


Stefan Kobel war bis 2006 Beachvolleyball Profi auf der FIVB World Tour (5-facher CH-Meister, Vize Europameister, Olympia Bronze 2004). Heute arbeitet der dipl. Turn- und Sportlehrer ETH bei Swiss Volley als Talent Coach und Nationaltrainer der Männer B-Kader.




 

 

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