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Die drei grössten Irrtümer über die Rhetorik…und was Sie tun können, um ihnen nicht aufzusitzen

von Patrick Rohr / ehem. Moderator beim Schweizer Fernsehen und Kommunikationsberater


Irrtum Nr. 1:
„Ich besuchte früher schon einmal einen Rhetorikkurs, und dort sagte man uns, dass wir bei einem Auftritt vor Publikum die Hände möglichst ruhig halten sollten, am besten würden wir sie an die Hüfte legen.“ Der Mann, der das sagte – nennen wir ihn Peter -, tat mir fast Leid. Er stand da wie angewurzelt, den Blick starr an die hintere Wand unseres Kursraumes gerichtet, die Hände eng an seine Hüfte gepresst. Er wirkte auf mich wie eine mechanische Sprechpuppe.

Peter ist kein Einzelfall. Immer wieder sagen mir Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer, sie hätten gehört oder – schlimmer! – gelernt, dass man die Hände bei einem Auftritt möglichst still halten sollte. Ein Irrtum! Wer sich während seines Referats oder seiner Rede überlegen muss, was er mit seinen Händen tun soll, ist nicht frei. Die Gedanken konzentrieren sich auf die Aussenwirkung („Was könnten die Leute von mir denken?“) statt auf das, was man sagen will.

Das führt zu einer Versteifung, der Redner, die Rednerin wirkt verkrampft und schnell auch irgendwie lächerlich. Bald schon einmal fangen die Zuhörenden – bewusst oder unbewusst – an, sich nur noch auf diese unnatürliche Körperhaltung zu konzentrieren. Möglich, dass sie sich dabei irgendwann ein Schmunzeln nicht mehr Verkneifen können. Die Folge liegt auf der Hand: Der Redner, der steif seinen Text aufsagt, fühlt sich blamiert und verkrampft sich noch viel mehr.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, können ganz einfach verhindern, dass Ihnen das je geschieht: Denken Sie bei Ihrem Auftritt keine Sekunde daran, was Sie mit Ihren Händen tun könnten. Seien Sie mit Ihren Gedanken voll und ganz beim Inhalt Ihrer Rede oder Ihres Referats, bewegen Sie sich so natürlich wie wenn Sie einem Bekannten auf der Strasse begegnen – und Sie bieten keinerlei Angriffsfläche. Denn Sie sind, wie Sie immer sind: authentisch, ganz sich selber. Damit haben Sie die grösste Überzeugungskraft.

Das sagte ich auch Peter, der zuerst zögerlich, dann immer mutiger seine Hände zu bewegen begann – und plötzlich ganz natürlich und mit grosser Freude seine Rede hielt.

Irrtum Nr. 2:
„Es kommt doch nicht drauf an, was ich sage, Hauptsache, ich sage etwas. Ein, zwei gute Sprüche, ein paar nette Worte – das reicht völlig für die Reden, die ich halten muss.“ Moment, Herr Gemeinderat! So nicht.

Er war ein schwerer Brocken für mich, sehr anspruchslos, was den Inhalt seiner Reden betraf. Aber warum hätte er sich auch darum kümmern sollen. Kari, so hiess er, war eine Grösse im Dorf, gross geworden im Musik- und Turnverein, Inhaber eines Baugeschäfts, seit acht Jahren im Gemeinderat. Der Kari war der Kari, eine „Gmüetsmore“, wie man im Dorf sagte, und dass eigentlich schon längst niemanden mehr interessierte, was er bei seinen Reden erzählte, kümmerte ihn wenig. Er hatte ja seine Stellung in der Dorfgemeinschaft, was wollte er mehr.

Zum Beispiel, dass Ihnen bei der nächsten Ansprache die Leute wieder einmal zuhören würden, schlug ich vor. Doch dazu müssen Sie eine Botschaft haben, eine zentrale Aussage für Ihre Rede, versuchte ich ihm klarzumachen. „Eine Botschaft? Wie meinen Sie das?“ fragte mich Kari etwas ungläubig. Ein Ziel, wie wenn Sie mit dem Auto irgendwohin fahren, präzisierte ich. Und ergänzte: Und wie beim Autofahren, sollten Sie sich vor dem Start überlegen, wie Sie an dieses Ziel kommen – direkt und ohne Umwege.

In Karis Kopf fing es an zu arbeiten. Das mit dem Weg zum Ziel leuchtete ihm ein. Aber das mit der Botschaft war ihm noch nicht so ganz klar. Ich sagte ihm: Die Botschaft Ihrer Rede muss sich in einem Satz zusammenfassen lassen, egal, ob sie fünf zwanzig oder vierzig Minuten dauert. Wenn Sie das schaffen, dann hat Ihre Rede Gehalt – und man hört Ihnen wieder mit Freude zu. Weil man merkt, dass Sie auch tatsächlich etwas zu sagen haben.

Kurz darauf erlebte ich Kari, wie er eine 1.-August-Rede hielt. Mit dem, was er sagte, war ich überhaupt nicht einverstanden. Aber seine Botschaft war klar. Ich war stolz auf ihn.

Irrtum Nr. 3
Fast ein bisschen stolz sagte die Ärztin: „Und wenn ich nicht so genau weiss, was ich sagen will, dann nehme ich ein paar Fremdwörter, die gut klingen, dann meinen die Leute, dass ich etwas furchtbar Gescheites gesagt habe, und das reicht.“ Leider nein, liebe Frau Doktor, das ist der völlig falsche Ansatz.

Das Publikum, das einer Rednerin, einem Redner zuhört, hat das Recht zu verstehen, was man ihm sagt. Das bedingt, dass man bei einem Auftritt eine einfache, klare und verständliche Sprache spricht und Fachausdrücke und Fremdwörter vermeidet. So einfach ist das. Alles andere ist eine Flucht, die schnell durchschaut wird und unnötig Distanz schafft.

Am besten, liebe Leserin, lieber Leser, sprechen Sie bei Ihrem Auftritt vor einem breiten Publikum die Sprache, die Sie auch sonst sprechen, wenn Sie sich nicht gerade mit Kollegen von Ihrem Fach unterhalten. Verwenden Sie Substantive nur dann, wenn Sie etwas Konkretes, etwas – im wahrsten Sinne des Wortes – Greifbares benennen. Lassen Sie alle anderen Substantive (zum Beispiel jene, die auf –ung enden) weg, denn sie sind abstrakt.

Verwenden Sie Beispiele, machen Sie einfache Vergleiche. Dann werden Sie verstanden. Und das – nur das! – muss das Ziel Ihrer Rede sein, niemals das Gegenteil. Und wenn Sie einmal nicht wissen, was Sie sagen wollen, sagen Sie besser einfach nichts. Das ist ehrlicher und langweilt Ihr Publikum nicht. Meine Kursteilnehmerin, die Ärztin, hat’s verstanden. Sie rede, schrieb sie mir kürzlich, heute viel weniger oft als früher, aber sie habe den Eindruck, dass man sie jetzt dafür verstehe.

 


Patrick Rohr


Patrick Rohr ist Kommunikationsberater mit eigener Firma in Zürich (www.patrickrohr.ch). Bis 2007 arbeitete er als Journalist, zuletzt 15 Jahre für das Schweizer Fernsehen, wo er unter anderem die Sendungen „Arena“ und „Quer“ moderierte.




 

 

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